Wie du Empathie trainieren kannst

von | 07.04.23 | Coaching-Snacks

Empathie ist eine zentrale Fähigkeit im Umgang mit anderen Menschen. Wer sich in ihre Gefühle hineinversetzen kann, versteht besser, was sie bewegt, welchen Bedürfnissen sie folgen und wie eine konstruktive Kommunikation mit ihnen gelingt. In nur 6 Schritten kannst du lernen, empathischer mit deinem Gegenüber umzugehen.

Nicht selten scheitert Kommunikation daran, dass wir die (emotionalen) Reaktionen eines anderen Menschen in einer Situation nicht verstehen. Er oder sie handelt anders, als wir es täten. Und an dieser Stelle endet bei vielen dann auch schon das Verständnis. Dabei sind die emotionalen Reaktionsmuster sowie Interpretationen in einer Situation oft so unterschiedlich wie die Menschen selbst.

Emotionale vs. kognitive Empathie

Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, kann helfen, diese Muster zu entschlüsseln. So gelingt es, manchen Konflikt zu entschärfen und eine gute Kommunikationsbasis zu schaffen. Dabei werden grundsätzlich zwei Arten der Empathie unterschieden: emotionale und kognitive Empathie.

Während die emotionale Empathie die Kompetenz beschreibt, sich in andere hineinzufühlen, bedeutet kognitive Empathie die Gabe zu erkennen, was sich im Kopf einer anderen Person abspielt – auch wenn das eigene Empfinden in einer vergleichbaren Situation davon abweichen kann. Diese zweite Variante spielt sich auf einer rationalen Ebene ab.

Beide Formen des empathischen Einfühlungsvermögens können, sie müssen aber nicht zusammen auftreten. Idealerweise führen sie beide auf ihre Art dazu, sich in andere Menschen hineinversetzen und sich künftig besser verstehen zu können. Die folgenden 6 Schritte helfen, empathischer miteinander umzugehen.

1. Die eigenen Gefühle entschlüsseln

Wer sich selbst gut kennt und in der Lage ist, eigene Gefühle zu identifizieren sowie ihre Ursachen zu benennen, lernt, diese Zusammenhänge mit der Zeit immer besser zu verstehen. In einem ersten Schritt solltest du dir also Zeit nehmen, dich selbst und deine emotionalen Muster besser kennenzulernen.

Konkret geht es darum zu bestimmen, welche Empfindungen gerade vorherrschend sind und welchen Ursprung sie haben. Fragen, die dir dabei helfen, lauten:

  • Was fühle ich gerade?
  • Was hat das Gefühl ausgelöst?
  • Welches Bedürfnis spricht aus mir?

Manchmal scheint es auf den ersten Blick eindeutig, welches Gefühl den Takt vorgibt. Wer genauer hinschaut, wird in sich zahlreiche Facetten entdecken. Hinter äußerlich erkennbarer Wut steckt zum Beispiel häufig Angst, Enttäuschung oder Unsicherheit. Je besser du entschlüsseln kannst, welches Bedürfnis gerade aus dir spricht, desto besser wirst du für dich sorgen und dem Bedürfnis gerecht werden können.

2. Sich für andere Menschen interessieren

In einem zweiten Schritt erweiterst du dein Blickfeld und entwickelst ein ehrliches Interesse an anderen Menschen. Beobachte sie und frage dich:

  • Welche Emotionen beobachte ich bei anderen?
  • Wie äußern sich ihre Emotionen?
  • Welches Bedürfnis könnte dahinter stecken?

Natürlich helfen auch Gespräche dabei, die Gefühle anderer sowie ihre Reaktionen darauf zu verstehen. Wichtig ist, ihr Handeln dabei nicht zu bewerten. Es geht darum, ihre Sicht der Dinge nachzuvollziehen, nicht sie zu verurteilen oder ihnen eine andere Sichtweise aufzudrücken.

3. Die Perspektive wechseln

Noch einen Schritt weiter gehst du im dritten Schritt, indem du dich auf einen vollständigen Perspektivwechsel einlässt. Versetz dich in die Lage deines Gegenüber, zum Beispiel in einer Situation, die du beobachtet hast, und frage dich:

  • Wie hätte ich mich in derselben Situation gefühlt?
  • Wie fühlt es sich an, wenn ich mich in die Lage der anderen Person versetze?
  • Was unterscheidet unsere Wahrnehmung der Situation?

Auf diese Weise wirst du erkennen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, auf ein und dieselbe Situation emotional zu reagieren, je nach persönlicher Perspektive.

4. Die eigene Sicht hinterfragen

Wenn du in der Lage bist, die Wahrnehmung anderer nachzuvollziehen, hast du bereits eine gute Grundlage für euer Miteinander geschaffen. Hierzu zählt aber auch die Fähigkeit, die eigene Sichtweise hinterfragen zu können. Was äußerlich zu sehen ist, entspricht nicht immer dem, was wir hinter einer Handlung an Emotionen vermuten.

Noch einmal das Beispiel Wut: Wer scheinbar wütend auf etwas reagiert, könnte sich tatsächlich frustriert, überfordert oder enttäuscht fühlen. Hier hilft es, mit der Person in ein offenes Gespräch zu gehen und vorsichtig Fragen zu stellen. Dabei hat es sich bewährt, zunächst eine Beobachtung zu teilen und dann nach der Ursache zu fragen, zum Beispiel: „Ich sehe, dass du auf meine Anfrage eben sehr stark reagiert hast. Bist du wegen meiner Äußerung enttäuscht?“

Indem das Verhalten anderer nicht verurteilt oder bewertet – womöglich sogar abgewertet – wird, öffnest du dich für eine offene und ehrliche Kommunikation.

Mitunter hilft auch ein Blick von außen, um deine eigenen und die emotionalen Muster anderer besser einzuordnen. Sparringspartner:in kann dafür ein guter Freund sein, eine Kollegin oder auch ein ausgebildeter Coach, der über methodisches Werkzeug verfügt und die richtigen Fragen stellt.

5. Kommunikation auf Bedürfnisebene führen

Ist die Grundlage für ein offenes Gespräch geschaffen, ist es möglich, das Gespräch noch zu vertiefen. Die verschiedenen Perspektiven können erklärt werden, sodass beidseitig mehr Verständnis füreinander entsteht. Hilfreiche Fragen hierfür sind beispielsweise:

  • Was genau hat dich so wütend/traurig/enttäuscht gemacht?
  • Was hättest du dir stattdessen gewünscht?
  • Wie könnte eine Lösung aussehen, mit der wir beide gut leben können?

Ein häufiges Missverständnis besteht darin zu denken, verstehen hieße gleichzeitig auch einverstanden zu sein. Das ist nicht der Fall. Empathisch zu handeln bedeutet nicht automatisch, sich nach den Bedürfnissen anderer richten zu müssen. Manchmal ist es allerdings schwer, eine Lösung zu finden, ohne die eigenen Bedürfnisse dabei zu vernachlässigen.

6. Emotionale Distanz wahren

Oft aber hilft das Verständnis dabei, die Situation als solche zu entschärfen und Wertschätzung zu zeigen, auch wenn die Meinungen zu einer Lösung auseinandergehen. Wichtig ist es, sich bei allem Verständnis nicht zu sehr in die Wahrnehmungswelt des Gegenübers hineinziehen zu lassen.

Sensiblen Menschen fällt es oft schwer, sich hier angemessen abzugrenzen. Wer allerdings die Distanz und sich selbst in der emotionalen Verfassung einer anderen Person verliert, verliert damit auch den notwendigen Draufblick, um eine Situation konstruktiv zu klären.

Empathie im Doppelpack

Mit jemandem mitzufühlen ist dafür eine gute Grundlage. Mitzuleiden hingegen birgt die Gefahr, in eine Art Problem-Trance zu sinken, und erschwert die Lösungsfindung. Emotionale Empathie kommt hierbei manchmal an ihre Grenzen.

Kognitive Empathie bringt dich dazu, einfühlsam zu agieren, ohne zu sehr mitzufühlen. Beide Fähigkeiten zusammen sind daher ein unschlagbares Duo auf dem Weg zu mehr Verständnis füreinander.

Gerne begleite ich dich dabei, deine persönliche Vision für eine erfüllte Zukunft zu kreieren – damit du das reichhaltige Leben führen kannst, das du dir wünschst.