Wie du deine Selbstwirksamkeit stärken kannst

von | 09.03.23 | Persönlichkeitsentwicklung

Es gibt viele Wege zur Zufriedenheit. Wer wüsste das besser als vielbegabte Menschen? Gleichwohl kann die Vielfalt von Interessen auch zur Belastung werden. Wer an die eigene Schaffenskraft glaubt und unterschiedliche Talente als individuelle Stärken erkennt, wird selbstbestimmt handeln und für sich die richtigen Entscheidungen treffen. Was es dafür braucht, ist ein stabiles Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Deine Vielbegabung ist deine wertvollste Ressource. Das glaubst du nicht? Ich hoffe, dieser Text kann dich überzeugen. Möglicherweise fehlt es dir ja an einem stabilen Gefühl von Selbstwirksamkeit. Darunter ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu verstehen, genauer: der Glaube daran, anstehende Schwierigkeiten aufgrund eigener Befähigungen meistern zu können.

In der Resilienzforschung wird Selbstwirksamkeit als ein wichtiger Faktor genannt, um Herausforderungen zu bewältigen. Wer davon überzeugt ist, dass er oder sie auch in stürmischen Zeiten bestehen wird, erlebt deswegen nicht unbedingt weniger Krisen. Aber solche Personen gehen anders mit ihnen um. Sie nehmen sich selbst und auch die Probleme anders wahr. Und schlussendlich lernen sie aus jeder Erfahrung, was wiederum das eigene Gefühl der Selbstwirksamkeit stärken kann.

Prägungen aus der Kindheit

Die Basis für das eigene Selbstwirksamkeitsempfinden bilden Erfahrungen in der Kindheit. Hast du gelernt, deinen Fähigkeiten zu vertrauen oder wurden von deinen Angehörigen eher Zweifel gesät? Wie ist in deinem persönlichen Umfeld mit Fehlern umgegangen worden? Gab es dafür Verständnis oder Häme? Wurde dir viel abgenommen oder durftest du dich selbst ausprobieren? All das hat Einfluss darauf, wie du dich und deine Kompetenzen später wahrnimmst. Sei ehrlich zu dir, kennst du solche Sätze?

  • „Das kannst du nicht!“
  • „Lass das besser mich machen.“
  • „Dafür bist du zu klein/zu blöd/zu jung.“
  • „War ja klar, dass das wieder nicht klappt.“
  • „Was kannst du eigentlich?“
  • „Wann machst du auch nur einmal etwas richtig?“

Und so weiter.

Wer solche oder ähnliche Sätze ständig hört, wird ihnen irgendwann selbst Glauben schenken. Wer niemals Fehler machen darf, ohne dafür beschämt zu werden, wird beim nächsten Mal zögern, etwas Neues auszuprobieren. Und so brennt sich langsam, aber sicher die Überzeugung ins Unterbewusstsein ein, dass die eigenen Fähigkeiten wohl nicht ausreichen, um Probleme zu lösen.

Die Reflexion dessen, wie du aufgewachsen bist und welche Botschaften dir möglicherweise noch heute in deinem persönlichen Umfeld vermittelt werden, ist ein erster Schritt, um mögliche Selbstwirksamkeitsfallen aufzuspüren. Deine eigenen Reaktionen zu beobachten, ist ein weiterer. Stelle dir doch mal die folgende Fragen:

  • Wem schreibst du gewöhnlich deine Misserfolge zu?
  • Wem schreibst du gewöhnlich deine Erfolge zu?

Interessanterweise verhält es sich so, dass Menschen mit geringem Vertrauen in ihre eigene Selbstwirksamkeit ihre Erfolge eher dem Glück oder einem Zufall zuschreiben, als dass sie ihren eigenen Anteil daran sehen. Sobald sie aber versagen, übernehmen sie bereitwillig die gesamte Verantwortung dafür. Erkennst du das Missverhältnis?

Ebenen der Selbstwirksamkeit

Warum sollte eine Person auf der einen Seite nichts dafür können, dass etwas gut gelaufen ist, während sie alles dafür kann, sobald etwas schlecht läuft? Hier gilt es genau hinzuschauen, welche psychologischen Muster wirksam sind. Um Selbstwirksamkeit umfassend zu beschreiben, sollten drei Ebenen betrachtet werden.

1. Ebene der individuellen Stärken

Auf dieser Ebene stellt sich zunächst die Frage, was du an Kenntnissen und Kompetenzen mitbringst. Das können praktische, aber auch intellektuelle Fertigkeiten sein, Fachkenntnisse oder auch geistige, künstlerische und emotionale Kompetenzen. Was hast du gelernt? Welche Abschlüsse bringst du mit? Was schätzen Freundinnen und Freunde an dir? Was denkst du selbst, was du gut kannst – ganz gleich, wie banal es dir gerade auch erscheinen mag?

Vielleicht kannst du ganz besonders gut zuhören, bist geduldig oder kannst dich gut konzentrieren. Vielleicht bist du aber auch sehr abenteuerlustig und aufgeweckt. Manch eine kann sehr gut kochen, Modellschiffe bauen oder klettern, ein anderer beherrscht eine Fremdsprache, zeichnet passabel oder ist ausgesprochen hilfsbereit sowie sportlich.

Alles, was dir einfällt, solltest du sammeln und zu einer kleinen Liste zusammenstellen, die sich stetig erweitern lässt. Deine individuellen Stärken bilden die Grundlage für deine Selbstwirksamkeit.

Gerade vielbegabte Menschen unterschätzen ihre Fähigkeiten oft, weil ihnen nicht selten von der Umwelt beigebracht worden ist, dass sie ja „eigentlich nichts richtig“ können. Ich persönlich halte das für Quatsch. Vielbegabte können eine Menge, genau das macht sie aus.

Nur ist nicht jede vielbegabte Person auch gleichzeitig Spezialist oder Spezialistin auf ihrem Gebiet. Das muss auch gar nicht sein. Weil ein Mensch etwas nicht perfekt beherrscht, sollte man nicht dem Fehlschluss erliegen, es für minderwertig zu halten.

2. Ebene der persönlichen Überzeugung

Auf der zweiten Ebene spielt die persönliche Überzeugung eine Rolle. Die Frage ist: Wie bewertest du selbst deine Fähigkeiten? Traust du dir zu, dass du sie im positiven Sinne einsetzen kannst? Lautet die Antwort „Ja“, ist alles in Ordnung, sofern du dich andererseits auch nicht überschätzt. Heißt deine Antwort „Nein“, dürfte deine eigene Selbstwirksamkeitserwartung eher gering sein. Das bedeutet, dass du nicht unbedingt mit einem Erfolg rechnest, sobald du tätig wirst.

Menschen, die von ihrer Selbstwirksamkeit überzeugt sind, verlassen sich auf ihre Fähigkeiten. Sie wissen ziemlich gut, was sie können und wo ihre Grenzen liegen. Und sie nutzen ihre Fähigkeiten, um sie in unterschiedlichen Kontexten sinnvoll einzusetzen.

Fällt dir das im Augenblick noch schwer, könnte es dir helfen, dich erstmal in vermeintlich harmlosen Situationen auszuprobieren und deine Selbstwirksamkeitserwartung zu trainieren. Mit jedem kleinen Erfolg steigt Schritt für Schritt dein Vertrauen in deine persönlichen Kompetenzen.

3. Ebene der zu erwartenden Emotionen

Eine dritte Ebene der Selbstwirksamkeit beschreibt emotionale Vorgänge. Die Frage ist: Mit welchen Emotionen rechnest du, sobald du vor einer Herausforderung stehst? Und kannst du das gut und realistisch einschätzen? Vielleicht fühlst du dich manchmal ein wenig ängstlich, überfordert oder unsicher. Solange du gleichzeitig über eine Strategie verfügst, mit solchen Gefühlen umzugehen, ist alles bestens.

Schließlich kennt jeder Mensch solche Emotionen. Wer wäre nicht ein wenig ängstlich, wenn etwas vollkommen Unbekanntes ansteht. Überlege dir also, mit welchen Gefühlen du selbst häufig zu kämpfen hast, wenn du vor einer Herausforderung stehst. Und dann lass dir in einem zweiten Schritt einfallen, was dir helfen kann, zum Beispiel diese Angst, Unsicherheit oder Überforderung in Schach zu halten.

Man weiß heute, dass die Unfähigkeit, negative Emotionen angemessen zu regulieren, häufig dazu führt, Herausforderungen von vornherein aus dem Weg zu gehen und wichtige Dinge dauerhaft aufzuschieben. Damit lernt dein Gehirn eine leider sehr destruktive Gewohnheit, die dich nicht weiterbringt. Sie kann dich im Gegenteil sogar sehr schädigen.

Besser ist es, nach konstruktiven Wegen des Umgangs mit unangenehmen Emotionen zu suchen und ihnen nicht gänzlich aus dem Weg zu gehen. Nur so verlieren sie mit der Zeit ihren Schrecken.

Selbstwirksamkeit steigern

In den vorangegangenen Absätzen hast du bereits ein paar Anregungen bekommen, wie du deine eigene Selbstwirksamkeitserwartung steigern kannst. Darüber hinaus gibt es weitere Übungen, die einen positiven Effekt haben.

a) Verbale Ermutigung

Wenn du vor einer Herausforderung stehst, hilft es, sich unterstützende Worte von anderen abzuholen oder sich selbst Mut zuzusprechen. Achte daher genau auf deine innere Stimme und formuliere negative Sätze bewusst um.

b) Perspektive ändern

Du kannst lernen, deine Perspektive auf ein Problem so zu verändern, dass du es nur noch als notwendiges Hindernis auf dem Weg zu einem lohnenden Ziel wahrnimmst. Fokussiere dich also auf das, was hinter der Herausforderung steht und dir wichtig ist.

c) Stellvertretende Erfahrung machen

Vorbilder können ebenfalls eine gute Inspirationsquelle sein. Indem du auf Menschen triffst, die bereits in ähnlichen Situationen erfolgreich waren, kannst du von ihnen lernen. Schau dir genau an, wie sie ihr Problem bewältigt haben und was ihnen dabei half.

d) In kleinen Schritten vorgehen

Manche großen Hindernisse erscheinen längst nicht mehr so unüberwindbar, wenn du sie in kleine Portionen unterteilst. So musst du nicht gleich alles auf einmal schaffen, sondern näherst dich deinem Ziel langsam, step by step.

e) Erfolge sichtbar machen

Sicher wird es in deinem Leben bereits schwierige Situationen gegeben haben. Erinnere dich an sie und notiere dir, welche Fähigkeiten dir bei der Bewältigung verschiedener Probleme zuvor geholfen haben.

Wie dir deine Vielbegabung hilft

Bei all diesen Übungen kann dir deine Vielbegabung von Nutzen sein. Denn ob du dich jetzt gerade daran erinnerst oder nicht – du hast in deinem Leben bereits viele schwierige Situationen durchgestanden. Und ganz sicher hat dir oft deine besondere Persönlichkeitsstruktur dabei geholfen.

Deine Fähigkeit, dich für Neues zu begeistern, dich schnell in neue Fachgebiete einzuarbeiten oder auch verschiedene Themengebiete miteinander zu verknüpfen, bietet eine Fülle von konstruktiven Ansätzen. Durch sie kannst du die oben stehenden Übungen mit Leben füllen und dir, falls nötig, auch selbst aus der Patsche helfen.

Der Schlüssel dazu ist deine innere Überzeugung, in deiner vermeintlichen Schwäche Vielbegabung endlich deine größte Stärke zu sehen. Ich wünsche dir viel Erfolg beim Perspektivwechsel!

Gerne begleite ich dich dabei, deine persönliche Vision für eine erfüllte Zukunft zu kreieren – damit du das reichhaltige Leben führen kannst, das du dir wünschst.